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Gründung und Ursprung der Schützenbruderschaft PDF Drucken E-Mail
16.08.2006

Ursprung im Rheinland

 

Es steht fest, dass die Schützenbruderschaften, wie wir sie heute auf dem linken Rheinufer kennen, bis ins frühe Mittelalter hinabreichen. Allerdings sind uns Satzungen dieser Bruderschaften, Schützensilber und andere Dokumente nur aus einer Zeit überliefert, die nicht über das 15. Jahrhundert hinausgehen. Die große Bedeutung der Schützenbruderschaften im Mittelalter und in den ersten Jahrhunderten der Neuzeit lässt sich nur aus der damaligen Unsicherheit der privaten und öffentlichen Verhältnisse erklä­ren. Als Selbstschutzorganisationen des Bürger- und Bauerntums pflegten sie die Aus­bildung in der Handhabung des Bogens und der Armbrust, wozu später noch das Feuer­büchse kam. Sie fühlten sich als der gesellschaftliche Mittelpunkt ihres Standortes, was bei den alljährlich abzuhaltenden Schützenfesten auch äußerlich in die Erscheinung trat. Für das Bürger- und Bauerntum bedeuteten diese Schützenfeste bald ebensoviel wie die Turniere für die Ritter, und mancher Fürst und Landesherr verschmähte nicht, an ihnen teilzunehmen. Die Blütezeit der Schützenbruderschaften fällt in das 15. und 16. Jahrhun­dert und dauerte bis tief ins 18. Jahrhundert hinein.

Die Nachrichten über die Gründung und erste Zeit der Körrenziger St. Antonius Schützenbruderschaft sind recht spärlich.

 

Erste geschichtliche Erwähnung 

Als einzige Geschichtsquelle bleibt uns, nachdem das gesamte Archiv im Anfange des 19. Jahrhunderts ein Raub der Flammen wurde, einzig und allein das reiche Königssilber mit 41 Schildern. Selbst das Gründungsjahr der Bruderschaft steht nicht genau fest. Die älteste datierte Urkunde ist ein kleines, rundes Brustschildchen am Königssilber. Es zeigt das Bild des Pfarrpatrons, des hl. Petrus, mit der Legende:

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Sanctus Petrus patron ecclesia Corensvig und die Jahreszahl 1597. Dieses Jahr hat die Bruderschaft bisher als ihr Gründungsjahr angesehen. Wahrscheinlich liegt aber Ihr Ursprung noch einige Jahre zurück, da in einem Kirchenrentbuch im Jahre 1450 die „Broderschaff“ bereits mit Grundbesitz erwähnt wird. Ein weiteres, nicht datiertes Königsschild mit dem Wappen des von Reuschenberg und der Aufschrift Hen­rich van Riuschenbirch z(u) Rorch H.R. (herr) z(u) Eychz. Das Geschlecht der Reuschen­berg hat kaum ein Jahrhundert auf Rurich gesessen (1517 - 1612). In dieser Zeit hat es vier Heinrich von Reuschenberg gegeben. Der Stifter des vorgenannten Schildes, Hein­rich von Reuschenberg zu Eicks und Rurich, war der letzte.


Sein genaues Sterbedatum ist nicht bekannt. Da aber seine Witwe Barbara von Merode, mit der er seit 25.2.1588 verhei­ratet war, bereits am 24.11.1591 eine neue Ehe mit Dietrich von Palant zu Brei­tenbend schloß, so muß Heinrich von Reuschenberg wohl um 1590 gestorben sein. Damals bestand also schon die Körrenziger Antonius Schützenbruderschaft, deren Gründer und eifriger Förderer er wohl gewesen ist.

 

 

Das 17. und 18. Jahrhundert

 

Über die Entwicklung der Bruderschaft im 17. und 18. Jahrhundert weiß man nur wenig. Ihre Mitglieder setzten sich aus allen Teilen des Kirchspiels Körrenzig, zu dem auch Ru­rich gehörte, zusammen. Im Jahre 1725 wird als Schützenkönig ein Paulus Porten, Schöffe des Dingstuhls Körrenzig, genannt. Paulus Porten war Halbwinner auf dem Gut Kippingen bei Rurich, das damals dem adligen Zisterzienserinnenkloster in Dalheim gehörte.

 

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Während der französischen Fremdherrschaft ruhte nun die Schützentätigkeit, weil die französische Verwaltung kein Vogelschießen gestattete. Als 1803 die Erlaubnis wieder erteilt wurde, musste der erste Vogel zu Ehren Napoleons geschossen werden. In Körren­zig erscheint nachweislich der erste Schützenkönig erst wieder 1810.

 

„Als im Mai 1804 der erste Konsul Napoleon Bonaparte zum Kaiser der Franzosen ausge­rufen wurde, mussten sich alle Amtspersonen des französischen Rheinlandes in ihre Kantonshauptorte begeben, um dort den Eid der Treue abzulegen. Im Kanton Linnich geschah dies am 10. Juli 1804. Die St. Antonius-Schützen von Cörrenzig begleitetet mit Musik und allem Prunk den Maire und Gemeinderat von Cörrenzig nach Linnich. Nach der Eidesleistung zogen die Linnicher und CKörrenziger Schützen in einem Prunkzug mit Trommeln, Pfeifen, Musik und fliegenden Fahnen durch die Stadt. Die Cörrenziger Schüt­zen führten dann den Maire und den Gemeinderat wieder aus der Stadt und begleiteten ihn nach Cörrenzig zurück“.

 

 

Am 3. und 9. April 1818 wirkte die Bruderschaft mit ihrer Fahne und 2 Trommeln bei der Abholung des neuen Pfarres von Cörrenzig Albert Josef Anton Bischoff mit. "Alle Jungge­sellen wie auch die Bruderschaft sind auf das herzlichste traktiert worden."

 

 

Das 19. Jahrhundert 

Im 19. Jahrhundert nimmt das Leben und Treiben in der Bruderschaft auch äußerlich wieder Form und Gestalt an. Die Schützenfeste werden regelmäßig gehalten, fast jeder Schützenkönig stiftet eine Silberplatte. Die Ursache dieses Wiederauflebens ist bei den Herren von Rurich zu suchen, welche der Schützen­gesellschaft besonderes Interesse entgegenbrachten. Im Jahre 1814 war Graf Ludwig von Hompesch (1759 - 1833) Schützenkönig. Zehn Jahre, bis 1824, hielt diese Begeiste­rung für die Schützengesellschaft an. Dann schweigt das Königssilber 20 Jahre lang, bis 1844 Adolf von Hompesch (1834 - 1893), ein Enkel des vorgenannten Schlossherren, ein weiteres Silberschild stiftete und damit eine neue Blütezeit der Gesellschaft begründete, welche mit kleinen Unterbrechungen bis zum heutigen Tage angedauert hat.

 

Die Gottestracht, jetzt Fronleichnamsprozession genannt, erhielt durch die Teilnahme der Bruderschaften, die durch ihren kirchlichen Charakter auch nach außen hin dominierten, ihr festliches Gepränge. Auch die Körrenziger Bruderschaft hat von jeher die Fronleich­namsprozession mit ihren Fahnen und Insignien begleitet, an ihren Hauptfesten eine kirchliche Feier veranstaltet und für jeden verstorbenen Mitbruder ein Seelenamt abgehal­ten.  Diese Teilnahme an der Prozession  scheint im ersten Drittel des vorigen Jahr­hunderts, soweit es sich um Äußerlichkeiten handelte, von den Schützen etwas übertrie­ben worden zu sein. Deshalb verordnete das Erzbischöfliche Generalvikariat zu Köln unter dem 13. Juni 1832: "Wollen die Mitglieder der Antonius Bruderschaft die Prozession begleiten, müssen sie gleich den übrigen Pfarrgenossen ohne Ziererei, ohne König, ohne Trommel, ohne Pfeifen, ohne Gewehr, ohne ein einziges besonderes Zei­chen dabei erscheinen. Sollte sich jemand erkühnen, dieser Vorschrift entgegenzuhan­deln, so hat der Pfarrer den Auftrag, das Hochwürdigste Gut in die Kirche zurückzutragen und die Prozession einzustellen. Wem von den Brüdern das nicht gefällt, mag zu Hause bleiben." Später wurden diese Maßnahmen wieder zurückgezogen. Die Fahnen der Bruderschaft flattern wie seit alter Zeit in der Prozession und der jeweilige "Schützenkönig" schritt  mit seinem Gefolge hinter dem hochwürdigsten Gute einher, dessen Thronbaldachin von 4 Jünglingen der Gesellschaft getragen wurde.

 

Seit 1891 sind Satzungen und Protokollbücher über das Vereinsleben erhalten. Als Eigentum besaß die St. Antonius Bruderschaft folgende Wiesen: Bruderschaftsbendchen (15 Ar 12 Quadratmeter). In den Weiden (6 Ar o7 Quadratmeter). In der Kirmeshütte (24 Ar). Die Wiesen werden auf neun feste Jahre verpachtet. Infolge der Grundstückszusammen­legung ist die Bezeichnung heute eine andere.

 

In den Frühkirmestagen des Jahres 1897 (20. - 22. Juni) feierte die Bruderschaft ihr 300jähriges Stiftungsfest. Achtzehn auswärtige Schützengesellschaften hatten ihre Teil­nahme zugesagt. Das Fest sollte großartig gefeiert werden, ein historischer Zug in klei­nem Rahmen mit Herolden, Kreuzrittern, Vertretern der Zünfte war ebenfalls vorgesehen. Trotzdem ein anhaltender Regen die Veranstaltung des Festzuges am Sonntag verhin­derte, waren drei auswärtige Gesellschaften erschienen. Der historische Zug musste infolgedessen Montags gehalten werden.


 

 

Bruderschaft im Jahre 1910

 

Das 325jährige Bestehen

 

Eines der großen Ereignisse in der Geschichte der St. Antonius Schützenbruderschaft in Körrenzig war die Feier des 325jährigen Bestehens am 23. Juli 1922.

 

Leider war das Wetter dem Fest nicht günstig. Regen in den Morgenstunden gab keine frohe Aussicht auf schönes Wetter. Gegen Mittag fiel wieder Regen, just als man sich in Körrenzig zum historischen Festzug rüstete. Aber Schützengeist hängt nicht vom Wetter ab und so wurde das Jubelfest auch in der vorgesehenen Weise durchgeführt. Um die Mittagsstunde gab es eine reine Wallfahrt nach Körrenzig. Über 50 Schützenvereine hatten ihre Teilnahme zugesagt. Mit Extrazügen, mit Rad, Wagen, Auto und zu Fuß pil­gerten Tausende von Menschen über Baal nach Körrenzig. Auch vom Jülicher und Lin­nicher Seite sowie aus den Nachbarstädten war eine tausendköpfige Menge gekommen. So viel Menschen hatte Körrenzig noch nie zusammengesehen. Es war ein Wunder, wie alle diese Menschen unterkamen. Aber die Körrenziger Gastfreundschaft wusste auch hier Rat. Es ging keiner ungesättigt von dannen. 

 

 

 

Die Kriegsjahre

 

Mai 1945, Deutschland lag in Schutt und Asche, Millionen Menschen waren umgekommen, weitere Millionen waren auf der Flucht oder hatten kein Dach über dem Kopf. An Vereine dachte zu dieser Zeit noch niemand, jeder war mit sich und seinem Schicksal beschäftigt.

 

Erst am 16. Januar 1949 versammelten sich auf Initiative des noch amtierenden Präsidenten aus den Vorkriegsjahren, 25 Schützenbrüder um die Vereinstätigkeit der St. Antonius Schützenbruderschaft wieder aufleben zu lassen.

 

In ununterbrochener Reihenfolge werden seit 1949 nun an jedem Christihimmelfahrtstag die neuen Majestäten ermittelt und am dritten Sonntag nach Pfingsten das „Körrrenziger Schützenfest" gefeiert.