Königsvogel und SchützensilberFast jede Schützenbruderschaft ist im Besitz eines wertvollen Schützensilbers, dessen Mittelpunkt ein silberner Vogel ist. Dabei handelt es sich ursprünglich um eine Amtskette die von einem silbernen Vogel geziert wurde. Durch dessen Verleihung hat der Landesherr einst die Bruderschaft anerkannt.
In alten Schriften verschiedener Bruderschaften bzw. in deren Gründungsurkunden, die vielerorts noch vorhanden sind, stößt man immer wieder auf Aussagen, „dass die Bruderschaft einmal im Jahr den „Papageye“ schießen soll“. Der Papagei galt als „königlicher Vogel“. Nur die Reichen und Mächtigen erlaubten sich einen Papageien zu halten. Im späten Mittelalter wurden Papageien an vielen Fürstenhöfen in reich verzierten Käfigen gehalten und ebenso am päpstlichen Hof. Somit ist es kein Wunder, dass die Schützen sich diesen Vogel als Symbol wählten, ihn als Königsvogel schossen und damit ihren König schmückten. Bis ins 18. Jahrhundert wurden die Königsvögel als Papageien dargestellt, meist mit einer Krone, einem gebogenen Schnabel und einem Halsreif. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts ging man dazu über, wohl auch auf Grund nationalistischer Strömungen, den Königsvogel als Adler darzustellen, wie sich auch die Silberschilde des Königssilber veränderten, die um diese Zeit die Form eines militärischen Ordens annahmen. Wenn, wie eingangs erwähnt, früher die Amtskette aus einer Kette mit Vogel bestand, so ging man Ende des 16. Jahrhunderts dazu über, dass jeder neue König eine Silberplakette zur Schützenkette stiftete. So entstand aus der ehemaligen Amtskette eine schwere Königskette. In Körrenzig ist dieser Brauch bis zum heutigen Tag erhalten. So gehören auch die 41 Silberplaketten und Königsorden zu den wertvollsten Gegenständen, die die Körrenziger St. Antonius-Schützenbruderschaft ihr Eigen nennen kann. Da die alten Schriften und Aufzeichnungen der Bruderschaft verloren gegangen sind, bietet uns das istorische Königssilber einen Einblick in die Geschichte der Bruderschaft, bis zurück zum angenommenen Gründungsjahr 1597. Die älteste datierte Plakette, die heute auch als Stiftungsplakette angesehen wird, ist ein im Durchmesser ca. fünf Zentimeter großes, rundes Silberschild, eingefasst mit einer modellierten Schnur. Im äußeren Rand sind die Worte SANCTUS * PETRUS * PATRON * ECLESIA * CORENZVIG eingraviert. In der Mitten sieht man den Pfarrpatron, den hl. Petrus mit dem Himmelsschlüssel in der Hand und die Jahreszahl 1597. Das älteste Schützenschild verrät uns zwar den Stifter, dafür fehlt aber eine Datierung. Auf Grund der Namensnennung „Heinrich van Riuschenbirsch z. Rorch Hr. z Eychz“ lässt sich die Datierung aber um 1590 eingrenzen, da der letzte Heinrich von Reuschenberg vor 1591 verstorben ist. Auch der große silberne Vogel ist vermutlich aus der Zeit um 1590, jedoch lässt sich diese Annahme nicht belegen, da auch hier jegliche Datierung fehlt.1997 wurde der Königsvogel von einem Goldschmied geöffnet, in der Hoffnung, dass sich im Inneren doch noch ein Hinweis auf das Alter der Königsinsignien befinden würden. Doch leider waren auch hier keine Anhaltspunkte vorhanden, welche eine genaue Datierung der Herstellung erlauben könnten. Seit 1590 scheint es also üblich zu gewesen zu sein , dass der jeweilige Schützenkönig zur Erinnerung an seine Regentschaft ein Silberschild der Königskette hinzu fügte. Meistens wurden die Plaketten mit einem getriebenen oder ziselierten Bild oder Wappen geschmückt und mit einem Rahmen aus Blattwerk oder Ornamentik geschmückt. Mehrmals erkennt man die Gottesmutter oder den Pfarr- bzw. den Bruderschaftspatron auf den Bildern. Bei den Wappen handelt es sich immer um die Wappen der jeweiligen Herren zu Rurich. Außer bildlichen Darstellungen ist selbstverständlich der Name des Königs und das Regentschaftsjahr eingraviert. Im laufe der Zeit sind aber auch Teile des Königssilbers verloren gegangen oder verkauft worden.So wurde im Jahre 1804 ein großer Teil des Königssilbers verkauft um eine neue Orgel für die Pfarrkirche zu finanzieren.Auch durch die Kriegswirren sind Teile verloren gegangen. Ältere Fotos von Königen oder Personen zeigen Silberschilde, die heute nicht mehr vorhanden sind. Bis zum Jahr 1957 trug der jeweilige König das historische Königssilber zusammen mit der Stiftungsplakette und dem Königsvogel. Der damalige Präsident Kaspar Evertz stiftete 1958 eine neue Kette mit einem Wittmungsschild, die nun zusammen mit Königsvogel und Stiftungsplakette getragen wurde. Im Laufe der Jahre kamen zur Kette weitere, gleich gehaltene Silbermedaillons der jeweiligen Könige mit Namen und Jahreszahl hinzu.
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